Hafensuche & zweite Reise

Geplant war eine dreijährige Reise der Glasarche. Doch es kam anders: Zum Ende der offiziellen Reise begann die Diskussion um die letzte Station des Kunstobjektes. Wo sollte die Glasarche ihren letzten Hafen bekommen?

Gegen die Entscheidung des Vereins WaldZeit und der Nationalparkverwaltung, die Glasarche wieder zurück zum Lusen in die Wälder des Nationalparks zu stellen, regte sich Widerstand. Künstler, Projektleiterin und viele Weggefährten wollten die Glasarche nicht mehr zurückstellen zu ihrem Ausgangsort. Die Inhalte des Projektes hatten sich inzwischen durch die vielen beteiligten Menschen und Veranstaltungen weiterentwickelt. Gleichzeitig waren für den Endstandort „Lusen“ auch keine Energie und kein Engagement spürbar. Deshalb sprachen sich, unter anderem im Rahmen einer Unterschriftenaktion, viele Menschen dafür aus, die Glasarche dorthin zu stellen, wo sie zum Schluss, auch mit ihren Inhalten, angekommen war: vor das Glasmuseum in Frauenau und zu den Menschen der Region.

 

Die Piratenaktion

Die Diskussion gipfelte am 11.11. 2007 in einer außergewöhnlichen Protestaktion: Künstler Ronald Fischer und die engsten Weggefährten entführten die Glasarche und forderten eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Inhalten des Projektes sowie der Frage des letzten Standorts. Lesen Sie hier das gesamte Piratenstück Fluch der Karibik Teil IV, aufgeführt am 11.11.2007 bei der Glasarche in Frauenau.

 

Die virtuelle Reise

Mit der Piratenaktion begann auch die virtuelle Reise der Glasarche. Über Monate wurde ab November 2007 die „Green Pearl“ immer wieder an völlig unterschiedlichen Standorten gesehen, zwischen dem Himmel und der Tiefe des Meeres. Die aktuellen Standorte sowie der jeweilige Stand der Diskussion um die Glasarche wurden deutschlandweit als Piratenbriefe – Die Zweite Reise der Gläsernen Arche bekannt gegeben und erhielten über die Satirepublikation Die Piratenliste. Frisch wie die See ein fulminantes Echo.

 

Trauerarche

Als alle Versuche scheiterten, ein offenes Gespräch und ein Einlenken seitens des Vereins WaldZeit und der Nationalparkverwaltung zu bewirken, wurde die Glasarche im März 2008 in Frauenau vor ihrem Abtransport verhüllt: zu ihrem Schutze und aus Protest dagegen, dass nun ausgerechnet ein Kunstprojekt, das wie kein anderes für Verständigung und Öffnung gestanden hatte, von einer Machtdemonstration überrollt wurde und die Inhalte des Projektes letztendlich an Besitzansprüchen scheiterten. Es folgten die Trauerbriefe – Der Niedergang der Gläsernen Arche, wieder über Die Piratenliste veröffentlicht.
Das Kunstobjekt „Glasarche“ steht seit Mai 2008 wieder am Lusen, im Nationalpark Bayerischer Wald. Die Inhalte und Botschaften der gläsernen Arche aber blieben zurück. Weitere sind dazu gekommen: die Trauer um die vertanen Chancen der Glasarche, aber auch um den gnadenlosen Niedergang der Glashütten des Bayerischen Waldes und den damit verbundenen Zerfall kultureller Werte und sozialer Gemeinschaften.

 

Piratenpresse

Kritisch, satirisch und manchmal liebevoll kontraproduktiv dokumentieren und kommentieren die Arche-Piraten seither in der Die PiratenPresse... aus der Gläsernen Arche das Geschehen in der Grenzregion: poetisch | praktisch | kontraproduktiv

Für das Glasmuseum Frauenau konnte Ronald Fischer in 2009 ein neues Glasschiff bauen, die Glasarche II.